150 Jahre Fechten in Lüneburg

150 Jahre Fechten im MTV Treubund

Im Oktober 1853 werden vier Turner zu Vorfechtern ausgebildet, damit ist der Grundstein für
die Fechtabteilung des MTV Treubund Lüneburg gelegt. Am 15. Oktober 1856 wird der
Fechtlehrer Mukowsky eingestellt. Im Jahre 1858 erhält die Vereinszeitung zusätzlich eine
Fechtordnung. Aus dieser Zeit sind im Vereinsarchiv einige alte Fechtbücher erhalten. Sie
geben Auskunft über das Fechten mit schweren Waffen nach deutscher Schule, sowie es
damals zunächst üblich war. Es handelt sich hierbei um das Fechten mit studentischen
Waffen, insbesondere mit dem schweren Säbel. Der Turnlehrer und Fechtmeister Karl
Böhlke führte dann ab1907 das Sportfechten ein, so wie es um die Jahrhundertwende des
letzten Jahrhunderts aus Ungarn und Italien überliefert ist. Böhlke war selbst ein
ausgezeichneter Fechter, er gewann 1908 das Säbelfechten auf dem Deutschen Turnfest in
Frankfurt a. M. Sein Schüler Alfred Strybel, baute im MTV eine sehr erfolgreiche Abteilung
auf, die bis 1970 viele Landestitel errang.

Am 1. Mai 1925 wurde durch den 1. Vereinsvorsitzenden, Karl Herrmann, der dem
Fechtsport sehr zugetan war, eine Fechtabteilung gegründet. Sie fand guten Zuspruch, aber
nach der mühevollen Ausbildung blieben dann zunächst nur 9 Aktive übrig. Jugendliche
Fechter kamen erst später dazu und so konnte dann am 10. März 1929 ein großes
Degenturnier in der MTV-Halle durchgeführt werden.
Für seine Verdienste um den Fechtsport erhielt Karl Herrmann das selten verliehene
Verdienstabzeichen des Deutschen Fechtverbandes. Ein Neuanfang nach den 2. Weltkrieg
stand unter keinen guten Stern, die beschlagnahmte Halle fehlte und die britische
Besatzungsmacht hatte zunächst erhebliche Bedenken wegen der Fechtwaffen. Ende 1949
begann Alfred Strybel voller Ungeduld, wieder eine Fechtabteilung aufzubauen. Dabei
wartete er die offizielle Genehmigung der Alliierten gar nicht erst ab, die zu Beginn des
Jahres 1950 endlich auch das Sportfechten in Deutschland wieder erlaubten. Nach
erfolgreichem Abschluss der ersten Lehrgänge hatte er bald eine Wettkampfgruppe für
Florett, Degen und Säbel zur Verfügung, die schnell zu den besten in Norddeutschland
zählte. Die Heideturniere des MTV waren berühmt, und die Lüneburger waren gern
gesehene Gegner, z. B. beim Bäderturnier in Cuxhaven, und bei anderen
Fechtveranstaltungen in Hamburg, Celle, Hannover, Wolfsburg, Bayreuth, Wetzlar,
Pforzheim und bei Lokomotive Köchen. Ein internationaler Austausch mit Malmö kam in
Gang, und man fuhr nach Dänemark und England. 1952 feierte die Fechtabteilung ihr 100-
jähriges Bestehen mit einem Erinnerungsturnier in der MTV-Halle , auf den 12 Mannschaften
aus Niedersachsen und Hamburg die Klingen kreuzten. Leider etwas voreilig, wie sich später
bei der Durchsicht im Archiv herausstellte.

1956 wurde ein Dipl. Fechtmeister verpflichtet und damit ein erfolgreicher Schritt vorwärts
getan, was von den Mitgliedern allerdings auch finanzielle Sonderopfer forderten. Zur 1000-
Jahrfeier der Stadt Lüneburg richteten die Fechter ein internationales Osterturnier aus, das
sämtliche schwedischen und deutschen Mannschaftsmeister nach Lüneburg lockte. Erfolge
aus dieser Zeit sind:
1953 –H.G. Soppe, Landesmeister / Jugend, Florett
1954 –H.G. Stoppe, Landesmeister /Jugend, Degen
1955- E. Albrecht, Landesmeister im Friesenkampf
1956- H.G. Stoppe, Deutscher Hochschulmeister im Florett
1959- Gaethke, Landesmeister im Florett
1960- Gaethke, Landesmeister im Degen
1961- F. Gackenholz, Landesmeister im Degen / Jugend
1961- Gaethke, Borowsky, Flohrs, Stoppe, Landesmeister der Florettmannschaft
1961- H.G. Stoppe, Sieger des internationalen Degenturniers “Alte Salzstrasse“ in Ratzeburg
1964- Gaethke, Gackerholz, Stoppe, Sander, Bachmann, Landesmeister der
Degenmannschaft
1966- H. B. Melbeck, Landesmeister im Degen / Jugend
1966- H. B. Melbeck, Landesmeister im Degen der Junioren
1968- Andreas und H. Melkeck, Eike Wächter, F. Karl Bönig
Landesmeister der Degen – Juniorenmannschaft Landesmeister der Florett-
Juniorenmannschaft.
Auch neben der Planche war die kleine Truppe um Alfred Strybel eine feste Gemeinschaft.
Ihre Unternehmungen und Feste kann man in einem zweibändigen dickleibigen
Erinnerungsband nachlesen, der den vieldeutigen Namen “Drehbuch“ trägt.
In den 70ger und 80ger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Training von Dipl.
Fechtmeister Erich Lüth aus Hamburg geleitet, bis er nach seiner Pensionierung nach
Hamburg zurückkehrte. In der Folgezeit lösten sich die Fechtmeister Manfred Smolla und
Boris Touetzki in der Trainingsarbeit ab.
Seit 1986 hat der Fechtlehrer der ADFD Götz Spilling die Leitung der Fechtabteilung
übernommen und wird von der amerikanischen Studentin Lous Tietzel, die eine Trainerlizenz
besitzt, unterstützt.

Die Jugendlichen Fechter des MTV Treubund haben so manche Turniere im norddeutschen
Raum gewonnen. So schafften es die Degenfechter 1983 im Deutschlandpokal sehr weit
nach vorn zu kommen und verpassten nur knapp die Finalrunde der letzten 8 Mannschaften.
1982 gewann eine Mannschaft des MTV den “Bidenhander von Delmenhorst“, der bereits
1963 von einer Mannschaft des MTV gewonnen wurde.
Herausragende Leistungen unter seinem Fechttrainer Götz Spilling waren die Landestitel im
Friesenkampf durch Lutz Warum, Michael Notboom, Gregor und Götz Spilling, sowie die
Teilnahme von Daniela Haake an den Deutschen Meisterschaften der B-Jugend 1991. Götz
Spilling gewann 1994 die Deutsche Meisterschaft der ADFD im Degenfechten in Lüneburg.
Unter die Schauspieler des Lüneburger Theaters gingen die Fechter 1985 in der Oper “Zar
und Zimmermann “. 1997 inszenierte Götz Spilling mit dem Intendanten Beyer die
Fechtszenen zu “ Cyrano de Bergerac“.

Die erfolgreichsten Fechter der Abteilung sind zur Zeit die beiden Schüler Sascha Kahl und
Arne Manke, die auf Turnieren häufig vordere Plätze belegten.
In der Zeit von 1985 – 1993 veranstaltete die Fechtabteilung des MTV- Treubund das sog.
“Sülfmeister – Turnier“, das als ER+SIE –Turnier organisiert wurde. Zum diesjährigen 150.
Jubiläum soll dieser Tradition noch einmal mit einer Veranstaltung im November gedacht
werden.

 

Götz Spilling

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